Mögliche Koalitionen nach der Landtags­wahl in Bayern 2018

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2018 um 15:18 Uhr

Seit 1962 hat die CSU die absolute Mehrheit im Bayerischen Landtag – mit einer Ausnahme: Nach der Landtags­wahl 2008 fehlten den Christ­sozialen zwei Sitze zur absoluten Mehrheit.

Die CSU ging damals eine schwarz-gelbe Koalition mit der FDP ein. In der darauf­folgenden Legislatur­periode 2013–2018 verfügte die CSU erneut über eine absolute Mehrheit.

Bei der Landtagswahl 2018 verliert die Partei von Minister­präsident Markus Söder ihre absolute Mehrheit im Landtag. Im folgenden Diagramm werden die möglichen Koalitionen für Bayern dargestellt:

Mögliche Koalitionen nach der nächsten Landtagswahl

Koalitionen mit Sitzmehrheit nach der Landtags­wahl 2018 in Bayern

Bei den möglichen Koalitionen im Bayerischen Landtag wird mit einer Besetzung des Landtags mit 205 Sitzen gerechnet. Daraus ergibt sich ab 103 Sitzen eine Mehrheit im Landtag.

Legende: Grüne Zahlen bedeuten eine Mehrheit der Wählerstimmen beziehungsweise der Sitze im Landtag. Rote Zahlen hingegen signalisieren, dass diese Koalition keine Mehrheit hat.

Schwarz-rot-grüne Koalition (CSU + SPD + Grüne, auch Kenia-Koalition genannt)

CSU
85
SPD
22
Grüne
38
Restl.
60
  • Wählerstimmen: 64,4 %
  • Sitze im Landtag: 145 von 205
  • Letzte Kenia-Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Obwohl eine Kenia-Koalition rein rechnerisch möglich wäre, ist diese Koalition un­wahrscheinlich, da die CSU und die Grünen auch ohne die SPD eine Mehrheit im Landtag hätten.

Jamaika-Koalition (CSU + FDP + Grüne)

CSU
85
FDP
11
Grüne
38
Restl.
71
  • Wählerstimmen: 59,8 %
  • Sitze im Landtag: 134 von 205
  • Letzte Jamaika-Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Eine Jamaika-Koalition würde im Landtag eine deutliche Mehrheit erlangen. Diese Koalition ist ebenfalls un­wahrscheinlich, da CSU und Grüne sowie CSU und Freie Wähler auch ohne die FDP eine Mehrheit im Landtag erlangen würden.

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Schwarz-grüne Koalition (CSU + Grüne)

CSU
85
Grüne
38
Restl.
82
  • Wählerstimmen: 55,2 %
  • Sitze im Landtag: 123 von 205
  • Letzte schwarz-grüne Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Mit 123 Sitzen im Landtag hätte eine schwarz-grüne Koalition deutlich mehr als die für eine absolute Mehrheit benötigten 103 Mandate. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis wäre diese Koalition rechnerisch die stärkste Zwei-Parteien-Koalition.

Allerdings ist unwahrscheinlich, dass es zu einer solchen Koalition kommen wird. Der Fraktions­vorsitzende der CSU im Bayerischen Landtag, Thomas Kreuzer, sprach sich deutlich gegen eine Zusammen­arbeit mit den Grünen aus:1

„Dass wir in wesentlichen Punkten mit den Zielen der Bildungspolitik, mit den Zielen der inneren Sicherheit, das sind die Kernlandeskompetenzen, kaum Gemeinsamkeiten mit den Grünen haben. Wir haben kaum mit ihnen gemeinsam abgestimmt die ganzen fünf Jahre. Dass ich mir so eine Koalition nicht vorstellen kann, sondern sie ausschließe.“

Die Spitzenkandidaten der Grünen, Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, geben beide an, Regierungs­verantwortung übernehmen zu wollen. Ludwig Hartmann ist allerdings in Bezug auf Markus Söders Position gegenüber Europa skeptisch.2 Er betont:

„Mit einer europafeindlichen CSU werde ich in keine Koalition eintreten.“

Schwarz-gelb-orange Koalition (CSU + FDP + FW)

CSU
85
FDP
11
FW
27
Restl.
82
  • Wählerstimmen: 53,9 %
  • Sitze im Landtag: 123 von 205
  • Letzte schwarz-gelb-orange Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Eine sogenannte bürgerliche Koalition aus CSU, FDP und Freien Wählern kommt mit 123 von 205 Sitzen im Bayerischen Landtag auf eine Mandats­mehrheit. Zwischen 2008 und 2013 bildeten CSU und FDP bereits eine gemeinsame Regierung. Die FDP möchte erneut Regierungs­verantwortung übernehmen, kann aber nur in einer schwarz-gelb-orangen Koalition (oder Jamaika-Koalition) Teil der Regierung werden.

Inhaltlich stehen sich die drei Parteien näher als CSU und Grüne, aus denen die einzig andere derzeit möglich erscheinende Koalition besteht. Der Spitzen­kandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, ist offen gegenüber einer Koalition mit der FDP, würde aber eine Zwei-Parteien-Koalition mit der CSU bevorzugen.

Schwarz-orange Koalition (CSU + Freie Wähler)

CSU
85
FW
27
Restl.
93
  • Wählerstimmen: 48,8 %
  • Sitze im Landtag: 112 von 205
  • Letzte schwarz-orangene Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Ein Bündnis aus CSU und Freien Wählern läge laut einer aktuellen Umfrage knapp unter der für eine Mandats­mehrheit benötigten Sitzanzahl. Da sich die beiden Parteien inhaltlich nahestehen, träfe ein solches Bündnis innerhalb der Parteien vermutlich auf eine große Akzeptanz.

Hubert Aiwanger, der Vorsitzende der Freien Wähler, zeigt sich bereit, mit der CSU zusammen­zuarbeiten, und ist zuversichtlich, dass eine solche Koalition zustande kommen kann:3

„Ich glaube, dass wir noch ein bisschen zulegen werden. Also für CSU und freie Wähler wird es deutlich reichen.“

Große Koalition (CSU + SPD)

CSU
85
SPD
22
Restl.
98
  • Wählerstimmen: 46,9 %
  • Sitze im Landtag: 107 von 205
  • Letzte Große Koalition in Bayern: Wahl­periode 1950–1954

Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis erreichen CSU und SPD gemeinsam eine knappe Mehrheit der Wählerstimmen.

Eine Große Koalition in Bayern trotz dieser Werte unwahrscheinlich. Der Spitzen­kandidat der CSU, Markus Söder, gab elf Tage vor der Wahl der Großen Koalition auf Bundes­ebene die Schuld an den niedrigen Ergebnissen der CSU. Vermutlich wird er eine Große Koalition in Bayern vermeiden.

Die Spitzenkandidatin der SPD, Natascha Kohnen, gab bisher keine eindeutige Koalitions­aussage ab. Über eine mögliche Zusammen­arbeit mit Markus Söder äußerte sie sich hingegen wie folgt:4

„Ich will mir gar nicht vorstellen, mit Herrn Söder zu koalieren.“

Koalitionen ohne Sitzmehrheit nach der Landtags­wahl 2018 in Bayern

Regenbogen-Koalition (SPD + FDP + FW + Grüne)

SPD
22
FDP
11
FW
27
Grüne
38
Restl.
107
  • Wählerstimmen: 43,9 %
  • Sitze im Landtag: 98 von 205
  • Letzte Regenbogen-Koalition in Bayern: Wahl­periode 1954–1957 (damals bestehend aus SPD, Bayernpartei, BHE und FDP)5

Die CSU war seit 1957 an jeder Bayerischen Landesregierung beteiligt. Vor der Wahl ließen Umfragen eine Koalition ohne Beteiligung der CSU als möglich erscheinen. Ein Bündnis aus SPD, FDP, den Freien Wählern und den Grünen (Regenbogen-Koalition) käme jedoch auf 98 von 205 Sitzen im Landtag und läge damit unter den für eine Mandatsmehrheit benötigten 103 Sitzen.

Der Spitzenkandidat der FDP, Martin Hagen, zeigt zwar eine grundsätzliche Bereitschaft für eine solche Koalition, geht aber davon aus, dass die Parteien zu geringe Schnitt­mengen besitzen.6 Hubert Aiwanger, der Spitzen­kandidat der Freien Wähler, ist hingegen nicht bereit, Teil einer Koalition unter Führung der Grünen zu sein7:

„Ich werde keinen Grünen zum Minister­präsidenten wählen.“

Schwarz-gelbe Koalition (CSU + FDP)

CSU
85
FDP
11
Restl.
109
  • Wählerstimmen: 42,2 %
  • Sitze im Landtag: 96 von 205
  • Letzte schwarz-gelbe Koalition in Bayern: Wahl­periode 2008–2013 mit Horst Seehofer als Ministerpräsidenten

Eine Koalition aus CSU und FDP hätte laut einer aktuellen Umfrage deutlich weniger als die für eine Mandats­mehrheit benötigten 103 Sitze im Landtag und wird daher aller Voraussicht nach nicht zustande kommen.

Als die CSU nach der Landtagswahl 2008 ihre absolute Mehrheit im Landtag verlor, bildete sie gemeinsam mit der FDP eine Regierung unter Horst Seehofer als Minister­präsidenten. Markus Söder, der Spitzenkandidat der CSU und derzeitige Minister­präsident Bayerns, war in dieser Regierung zuerst Minister für Umwelt und Gesundheit, bevor er 2011 Finanz­minister wurde.

Bei der anschließenden Landtagswahl im Jahr 2013 verlor die FDP gegenüber der vorher­gehenden Wahl 4,7 Prozent­punkte und scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Daher war sie in der vergangenen Legislatur­periode nicht im Bayerischen Landtag vertreten.

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Ampelkoalition: Rot-Gelb-Grün (SPD + FDP + Grüne)

SPD
22
FDP
11
Grüne
38
Restl.
134
  • Wählerstimmen: 32,6 %
  • Sitze im Landtag: 71 von 205
  • Letzte Ampelkoalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Die sogenannte Ampelkoalition aus CSU, FDP und Grünen käme aktuell auf 71 Sitze im Landtag und wäre damit 32 Sitze von einer Mandats­mehrheit entfernt. Daher ist ein solches Bündnis nach der Landtagswahl 2018 ausgeschlossen.

Warum gibt es keine Koalitions­möglichkeiten mit der AfD?

CSU
85
AfD
22
Restl.
98
  • Wählerstimmen: 47,4 %
  • Sitze im Landtag: 107 von 205
  • Letzte Schwarz-blaue Koalition in Bayern: noch nie vorgekommen

Eine schwarz-blaue Koalition zwischen CSU und AfD kommt laut vorläufigem amtlichen Endergebnis auf 107 von 205 Sitzen und wäre damit regierungs­fähig. Die CSU schließt allerdings eine Koalition mit der AfD kategorisch aus.8

Bei der zu erwartenden Sitzanzahl der AfD im Landtag (derzeit 22 Sitze) scheinen keine weiteren Zwei-Parteien-Koalitionen mit der AfD in Bayern möglich.

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Lesen Sie auch:

  1. Quelle: BR24, Wahlarena: CSU schließt Koalition mit Grünen aus, 13.09.2018
  2. Quelle: IHK München und Oberbayern, Die bayerischen Spitzen­kandidaten im IHK-Gespräch, Ludwig Hartmann (Die Grünen): „Wer Zukunft will, muss Mut haben“, Juli 2018
  3. Siehe Fußnote 1
  4. Die Welt, „Söders kapitaler Fehler von 2013 tut uns immer noch weh“, 06.08.2018
  5. Quelle: Wikipedia, Regenbogenkoalition
  6. Quelle: Zeit Online, Umfrage zur Bayern-Wahl: CSU bei 35 Prozent, Freie Wähler gegen Koalition mit Grünen, 05.10.2018
  7. Ebd.
  8. Quelle: Süddeutsche Zeitung, So steht es im bayerischen Landtagswahlkampf, 14.08.2018

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