Diagramm der Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen

Wahl­beteiligung bei Bundestags­wahlen

Seit vierzig Jahren sinkt die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen in Deutschland.

  • Ihren Höhepunkt hatte sie bei der Bundestagswahl 1972 mit 91,1 Prozent.
  • Den tiefsten Stand erreichte die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2009: Nur 70,8 Prozent der Wahlberechtigten gingen zu den Urnen.
  • Bei der Bundestagswahl 2013 war es mit 71,5 Prozent kaum 1 Prozent mehr1.

Deutschland verzeichnet den zweitgrößten Rückgang2 bei der Wahlbeteiligung von allen Demokratien, hinter Portugal und vor Frankreich.

Steigt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2017?

Durch die hohe Emotionalität der Flüchtlingsdebatte könnte die Wahlbeteiligung bei der nächsten Bundestagswahl leicht steigen. An der Größenordnung wird sich jedoch bei der Bundestagswahl 2017 aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viel geändert haben: Ein Viertel bis ein Drittel der Wahlberechtigten werden nicht zur Urne gehen.

Wie hoch wird die Wahlbeteiligung bei der nächsten Bundestagswahl wohl sein?

Von 80,52 Millionen Deutschen (Gesamtbevölkerung) waren bei der letzten Bundestagswahl 61,95 Millionen wahlberechtigt. Tatsächlich wählten nur 71,5 Prozent der Wahlberechtigten und somit 44,31 Millionen Bundesbürger. Somit haben sich bei der letzten Bundestagswahl 17,64 Millionen deutsche Wahlberechtigte (28,5 Prozent) enthalten.

Die Unterschiede bei den Prozentangaben in der Grafik und im unterstehenden Text kommen dadurch zustande, dass sich die Angaben in der Grafik auf die Gesamtbevölkerung beziehen, und die Angaben im Text auf die Wahlberechtigten.

Enthaltungen bei Wahlen sind oft politisch motiviert

Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung3 sind Nichtwähler durchaus politisch interessiert und informiert, sie beobachten das politische Geschehen sowie die Wahlkampfaktivitäten der Parteien. Die Hauptmotive der Nichtwähler, sich nicht (mehr) an Wahlen zu beteiligen, sind geradezu politisch: Unmut über Politiker sowie Unzufriedenheit mit Programme der Parteien sind die Hauptgründe für die Enthaltung bei den Bundestagswahlen.

Laut der oben genannten Studie werden folgende Gründe für die Wahlabstinenz am häufigsten angegeben4 (es waren mehrere Angaben möglich):

  • 34 %: Die Politiker haben kein Ohr mehr für die Sorgen der kleinen Leute
  • 31 %: Den Politikern geht es doch nur um ihre eigene politische Karriere
  • 24 %: Ich bin mit dem ganzen politischen System so unzufrieden, dass ich nicht zur Wahl gehe
  • 21 %: Die Parteien unterscheiden sich nicht mehr voneinander
  • 20 %: Es lohnt sich nicht zur Wahl zu gehen, weil man mit seiner Stimme ohnehin nichts bewirken kann
  • 18 %: Keine Partei vertritt meine Interessen

 

Ungültige Stimmen (Leerstimmen) bei Bundestagswahlen

Seit der Wiedervereinigung liegt die Anzahl der ungültigen Zweitstimmen bei Bundestagswahlen zwischen 540 000 und 756 000. Als Schätzung der Anzahl von ungültigen Stimmen bei der Bundestagswahl 2017 wird willkürlich der Durchschnitt der letzten 4 Bundestagswahlen berechnet: 640 000. In Ermangelung einer echten Schätzung oder Prognose wird dieser Wert für Diagramme auf dieser Website angewendet.

Nicht-Anerkennung von ungültige Stimmen (Leerstimmen)

Leere Wahlzettel gelten nach dem Bundeswahlgesetz als ungültig5. In einigen Ländern gelten Leerstimmen als wichtiges Wahlkonzept, als Ausdrucksmöglichkeit der Wähler: Diese Wahlzettel werden gezählt und nicht sofort für ungültig erklärt. In diesen Ländern sind leere Stimmzettel eine Wahloption, die es den Wählern ermöglicht, ihre Ablehnung aller Kandidaten oder aller Parteien zum Ausdruck zu bringen.

NOTA steht für None of the above, eine Bezeichnung für leere Stimmzettel. Bei deutsche Bundestagswahlen gibt es diese Option nicht.

Das NOTA-Logo ist ein Ausdruck der politischen Unzufriedenheit, der Enthaltung oder Nichtübereinstimmung mit der Politik der Parteien oder Kandidaten

Im englischsprachigen Raum werden leere Wahlzettel als NOTA bezeichnet: „None Of The Above“ für „Keine der oben genannten“6. In Frankreich ist der „vote blanc“ ein oft erwähntes Element der politischen Debatte, in Spanien ist der „voto en blanco“ im Wahlgesetz verankert. Indien, die größte sogenannte Demokratie mit mehr als 1 250 Milionen Einwohnern, davon 814,5 Millionen Wahlberechtigte, zählt Leerstimmen (NOTA) als Wahloption. Bei der letzten Wahl gab es allerdings nur 1,1 Prozent NOTA-Stimmen, etwa 6 Millionen Wähler7.

Bei Wahlen in Deutschland gibt es keine NOTA-Option, also keine Möglichkeit, seine politische Unzufriedenheit über die Parteien und Kandidaten auszudrücken. Es gibt zahlreiche Gründe8 für die Ungültigkeit der Wahlzettel, und da die Anzahl der leeren Wahlzettel nicht ermittelt wird, ist eine Schätzung der aus Protest absichtlich abgegebenen leeren Stimmen nicht möglich.

Die Partei der Nichtwähler

Die offizielle Partei der Nichtwähler (oder Nichtwählerpartei) sieht sich als eine Alternative zur Stimmenthaltung. Sie kann als eine NOTA-ähnliche Alternative gesehen werden. Sie wurde zur Bundestagswahl 2013 zugelassen, erreichte aber nur 11 349 Stimmen.

Offizielle Website der Partei der Nichtwähler
Partei der Nichtwähler auf Wikipedia

Wahl

 

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Fußnoten anzeigen

  1. Quelle: Informationen des Bundeswahlleiters: Ergebnisse früherer Bundestagswahlen, Seite 8.
  2. Quelle: Manfred Güllner: Nichtwähler in Deutschland (PDF), Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2013. Seite 12: Rückgang der Wahlbeteiligung seit 1983 in ausgewählten Ländern.
  3. Ibid.
  4. Ibid., Seite 72.
  5. Bundeswahlgesetz:
    § 39 Ungültige Stimmen, Zurückweisung von Wahlbriefen, Auslegungsregeln
  6. Wikipedia: None of the Above (auf Englisch)
  7. The Hindu: Over 60 lakh (6 Millions) NOTA votes polled
  8. Siehe Fußnote 1
Finden im Jahr 2017 wirklich mehrere Bundestagswahlen statt?

Bundestagswahlen 2021 oder Bundestagswahl 2021?

Heißt es „Bundestagswahlen 2021″ (im Plural) oder Bundestagswahl 2021?

Definitiv ist hier der Singular richtig. Es handelt sich um eine Wahl und nicht um mehrere Wahlen. Offiziell heißt die Bundestagswahl 2021 auch „Wahl zum 20. Deutschen Bundestag“.

Finden im Jahr 2020 wirklich mehrere Bundestagswahlen statt?

Finden im Jahr 2021 wirklich mehrere Bundestagswahlen statt?

Kann die Pluralform „Bundestagswahlen“ auch richtig sein?

Natürlich. Hier einige Beispielsätze:

  • Bei Landtagswahlen und Bundestagswahlen werden diese Verfassungsorgane direkt von den Bürgern gewählt, was in der Bundesrepublik eine Ausnahme darstellt.
  • Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen sank von 91,1 Prozent im Jahr 1972 zu 70,8 Prozent im Jahr 2009.
  • Die Anzahl der Wahlberechtigten bei Bundestagswahlen liegt bei mehr als 60 Millionen.

Noch unsicher?

Hier finden Sie die Duden-Definition für Wahlen. Bei der Seite über Bundestagswahlen der Bundeszentrale für politische Bildung handelt es sich natürlich um „Bundestagswahlen“ im Plural, da mehrere Wahljahre damit gemeint sind.